Tapping Gitarre

Tapping – Geschwindigkeit für Jedermann

Heute wollen wir uns einer sehr spektakulären Gitarrentechnik widmen.
Dem Tapping.
Diese Technik ermöglicht es dem geübten Gitarristen sehr schnelle Legatoläufe mit großen Tonintervallen zu spielen und zwar so groß wie du es gerne hättest. Du bist nämlich mit dieser Technik nicht mehr auf die Spannweite deiner Greifhand angewiesen sondern kannst überall auf dem Griffbrett Töne erreichen.

Herkunft

Die ersten Tapping-Aufnahmen werden dem Genesis-Gitarristen Steve Hackett am Anfang der 70-er Jahre zu geschrieben. Allerdings war nicht er es, der diese Technik bekannt machte sondern Eddie van Halen, der Ende der 70-er Jahre das Tapping in seiner Musik einsetzte.
Ein Großteil des Erfolges der Band ‘Van Halen’ in den 70-er und 80-er Jahren geht auf Eddie van Halen zurück, der sich mit dem damals noch weitgehend unbekannten Tapping sehr schnell einen Namen in der Liga der großen Gitarristen machte. Gerade weil er dem Tapping den Weg in die Rockmusik geebnet hat, wird Eddie van Halen auch heute noch von vielen großen Gitarristen als Vorbild genannt.

Technik

Das Grundlegende Merkmal der Tapping Technik, ist die Verwendung der Anschlagshand auf dem Griffbrett. Dabei werden die Finger der Anschlagshand auf das Griffbrett gehämmert, ähnlich einem Hammer-On jedoch eben mit der Anschlagshand. Nach dem Aufhämmern erfolgt meistens ein Pull-Off, mit dem die Saite in einem tiefer gegriffenen Bund wieder zum Schwingen gebracht wird.
Die meisten Gitarristen verwenden den Zeige- oder Mittelfinger der Anschlagshand zum Tapping. Der Zeigefinger hat den Vorteil, dass er für viele Menschen der Finger ist, den sie am besten koordinieren können. Allerdings lässt sich auch jeder andere Finger der Anschlagshand verwenden.
So bereitet es vielen Neueinsteigern zu Beginn Probleme die empfindliche Fingerkuppe der Anschlagshand zu verwenden. Um dies zu verhindern kann man auch mehrere Finger verwenden und bei zu starker Belastung des Zeigefingers auf den Mittelfinger wechseln.
Dies hat zusätzlich den Vorteil, dass man später wenn man sehr komplexe Tapping-Figuren spielen möchte, die es zum Teil erfordern mehrere Finger der Anschlagshand einzusetzen, diese Finger schon ein wenig trainiert hat und nicht bei null anfängt.

Wohin mit dem Plektrum?

Wenn man sich etwas eingehender mit dem Tapping beschäftigt hat und es in sein aktives Solospiel eingebaut hat, stellt sich einem häufig die Frage, wo man denn am besten das Plektrum verstaut. Hierbei gibt es viele verschieden Möglichkeiten. Solltest du schon ein großer Live-Gitarrist sein, dann wirf einfach das Plektrum ins Publikum und greif dir ein neues, allerdings vermute ich mal, dass viele die hier lesen nicht so viel von der Möglichkeit halten.
Eine andere Möglichkeit ist es, das Plektrum in der Handinnenfläche zu verstauen und dort mit einem Finger festzuhalten der nicht fürs Tapping genutzt wird. Wenn dir das aber zu kompliziert ist und du noch die Zeit dafür hast, kannst du das Plektrum auch einfach im Mundwinkel verstauen und dort wieder herholen wenn es wieder normal weitergehen soll.
Wenn du noch andere Möglichkeiten kennst, das Plektrum zu verstauen oder Erfahrungen mit einer diese Möglichkeiten hast, nutzt doch einfach die Kommentar-Funktion unter dem Artikel und schreib mir.

Einstiegsübung

Damit du mal einen kleinen Einblick kriegst, wie das Tapping meistens verwendet wird stell ich dir hier mal drei grundlegende Tapping-Muster vor. Diese erfordern allerdings, dass du dich schon mit Hammer-On und Pull-Off beschäftigt hast.
Als Basis für die meisten Tapping-Muster werden Dreiklänge verwendet. Am häufigsten werden aber die Dur- bzw. Moll-Dreiklänge verwendet. Letztendlich sind der Kreativität aber keine Grenzen gesetzt, wenn du gerne mit einem verminderten Akkord arbeiten möchtest kannst du das genauso gut tun, wie mit einem normalen Dreiklang.
Ich gehe der Einfachheit halber in meinem Beispiel von einem simplen Am-Akkord aus. Dieser besteht bekanntlich aus den Tönen A, C und E. Diese Töne suchen wir uns nun auf einer Saite der Gitarre. Hierbei bietet sich die hohe e-Saite an, bei der wir das A im 5. Bund finden, das C im 8. Bund und das E im 12. Bund.
Wenn wir jetzt versuchen würden diese drei Töne hintereinander zu spielen würden wir mit normalem Plektrumanschlag schon ganz schön ins Schwitzen kommen. Nun aber machen wir uns das Tapping zu nutzen und tappen das E im 12. Bund. Das E ist in diesem Fall auch der erste Ton des Licks.
Du tappst es in dem du im 12. Bund mit einem Finger deiner Anschlagshand auf die Saite hämmerst. Am Besten ist es, dies zunächst einmal solange zu Üben bis du den Ton vernünftig zum Klingen bringst. Nachdem du diesen Schritt geschafft hast erfolgt ein Pull-Off bei dem du den Finger, den du gerade auf die Saite gehämmert hast, nach oben oder unten wegziehst, je nachdem wie es dir besser gelingt.
Wenn du das E im 12. Bund tappst, sollten die Finger deiner Greifhand schon das A im 5. Bund mit Zeigefinger und das C im 8. Bund mit Ringfinger oder dem kleinen Finger, je nachdem wie es dir besser gelingt, greifen, sodass du mit dem Pull-Off das C zum Klingen bringst. Wenn das C klingt, erfolgt erneut ein Pull-Off der das A zum Klingen bringt. Danach beginnst du mit dem ganzen System von vorne.

Variationen

Die beiden anderen Muster sind Variationen des ersten Musters, so ist beim zweiten Muster die Reihenfolge der Töne eine andere. Du beginnst zwar wieder mit E im 12. Bund allerdings erfolgt der Pull-Off dann auf das A im 5. Bund und danach erfolgt ein Hammer-On auf das C im 8. Bund. Kleiner Unterschied aber eine sehr schöne klangliche Variation zum ersten Muster.

Das dritte Muster verwendet auch wieder nur die drei Töne A, C und E. Diesmal ist die Reihenfolge aber E, A, C, A. Es ist die Kombination aus den ersten beiden Mustern und erfordert sowohl den Hammer-On als auch den Pull-Off. Diese Übung solltest du probieren  sobald dir die beiden anderen gut gelingen.

Berichte mir doch einfach von deinen Erfolgen und deinen Schwierigkeiten indem du die Kommentar-Funktion unter dem Artikel nutzt, ich werde dir bei auftretenden Schwierigkeiten gerne mit Rat zur Seite stehen.

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