Gitarrenbau Projekt / Custom Stratocaster

Es freut mich nach diesem bisher recht gut verlaufenen Relaunch, Stefan wieder hier auf Guitarguy als Gastautor begrüßen zu dürfen. Mit einer neuen sehr interresanten Artikelreihe zum Thema Gitarrenbau, wird er euch von seinen Problemlösungen und Erkenntnissen ausführlich berichten. Ich wünsche viel Spass beim lesen.

Lange mussten die Leser dieses Blogs auf weitere Artikel von mir warten, da mich mehrere Projekte völlig beansprucht hatten. Das hat jetzt ein Ende!

Diese Woche möchte ich euch an ein nicht ganz einfaches Vorhaben herranführen und zwar an den Bau einer eigenen Gitarre. Viele von euch schrecken schon vor dem bloßen Gedanken zurück, da kleinste Fehler zum Scheitern des Vorhabens führen können und somit viel Frust entsteht, da der Traum zerplatz und der Geldbeutel noch leerer ist, als er zuvor schon war ;-)

1 – Gitarrenhals

Als Passionierter Humbucker Gitarrist habe ich mich aus tontechnischen oder sagen wir besser aus soundtechnischen Gründen dem Bau einer Selfmade Custom Stratocaster gewidmet, da mir als Bluesliebhaber der gewisse Twang bei meinen Paula’s und SG’s gefehlt hat. Die Idee, alle Parts selbst zu “Schreinern” musste ich wegen dem Fehlen einer eigenen Werkstatt mit professionellem Werkzeug und der nötigen Zeit leider vorerst verwerfen, also suchte ich in der allseits bekannte Bucht ( Ebay ;-) ) ersteinmal nach einem passenden Hals der meinen vorstellungen entsprach. Das war zugegebendermaßen garnicht so einfach wie man sich das vielleicht vorstellt.

Wie ihr an dem folgenden Bild sehen könnt, gibt es alleine sechs standard Halsprofil variationen, auch Shaping genannt. Eric Clapton nutzte zum Beispiel ein V-Shaping an seiner Blackie.

NeckProfiles

Nach ettlichen Probeversuchen bei einheimischen und bekannten Musikläden hat mir das C-Profil am besten gelegen, womit ich meine Suche nach dem perfekten Strat-Hals gut eingrenzen konnte. Letztlich fiel die Wahl auf einen Fender Allparts Neck aus Ahorn, der nicht nur das richtige Shaping hatte, sondern auch noch unbehandelt war. Nur die Bundstäbchen und die Dot-Inlays waren schon fertig angebracht.

Zum Gück, wie sich später herrausgestellt hat, denn zunächst stand ich vor dem großen Problem, wie ich denn einen Ahornhals, der ja bekanntlich nicht nur auf der Rückseite sondern auch auf dem Griffbrett lackiert wird, zu schützen. Abkleben der Stäbchen und drüber Lakieren kam nicht in Frage, da das zu 100% eine unsaubere Arbeit werden würde.

Für die schnelle und angenehmere Bespielbarkeit ist das bloße Wachsen und Ölen des Halses (abgesehen von dem etwas geringeren Schutz vor Verwitterung, Schweiß und Dreck) die optimale Lösung, was mir aber erst nach ein paar Studien in einschlägigen Gitarrenforen klar geworden ist. Wenn man sich übrigens die ganzen alten Strats der Profis ansieht, stellt man häufig fest, dass der Halslack auf der Rückseite total abgetragen ist und das offenbar keinen stört, warum auch, wenns dem Spielgefühl zugute kommt ;-)


HeadTrussrodNun kam der Sattel an die Reihe, der die Saiten am oberen Ende des Halses unter der Kopfplatte führt und leider viel zuoft vernachlässigt wird. Auch hier wird debattiert und gestritten, welcher Werkstoff, ob Knochen-, Messing-, oder Graphitsattel nun der Beste sei.

Rein aus Experimentierfreude habe ich einen Messingsattel, der noch keine Kerben besaß gekauft und mit einem feinen Filzstift die genauen Positionen der Saiten angezeichnet.


Wichtig ist später, dass jede Kerbe etwas mehr als halb so tief wie der Saitendurchmesser ist. Bei Fender-Sätteln kann man erst überprüfen ob, ob die Arbeit erfolgreich war, wenn der Sattel exakt in die Nut paßt, d. h. der muß locker hin und her rutschen, darf aber nicht klemmen oder wackeln. Nun kann man den Sattel einsetzen. Am besten befestigt man ihn mit ein paar Tropfen Sekundenkleber und läßt ihn ein bisschen ruhen. Anschließend muß die Satteloberseite an die Wölbung des Griffbretts angepaßt werden. Der Sattel sollte etwa 3 mm über das Griffbrett herausragen.

Hier nochmal die Maße für die Kerben:

1. Halsbreite am Sattel 41 mm
2. zweimal 3 mm abziehen = 35 mm
3. 6 Saiten = 5 Abstände
4. 35 : 5 = 7 mm Abstand von Kerbenmitte zu Kerbenmitte

Natürlich wird auch die Artikelreihe zum Thema Homrecording weitergeführt. Bleibt also dran abboniert den Rss-Feed und erzählt euren Freunden von dieser Seite. Denn hier bleibts spannend.

Liebe Grüße euer Stefan