Paul Vincent Gunia – Live und im Studio

Einen schönen guten morgen, heute wollen wir uns mal wieder mit einem speziellen Musiker etwas genauer beschäftigen. Nachdem die letzten beiden Künstler nicht so wirklich aus unserer Gegend waren, möchte ich euch heute einen Gitarristen aus Deutschland vorstellen. Paul Vincent Gunia – Studiomusiker / Komponist unter anderem auch für Filmusik und Live Actor. Und nachdem man bei einem Gespräch weit mehr über jemanden erfährt, als bei einer Aufzählung seiner Leistungen habe ich ihm mal ein paar Fragen gestellt:



  • Erzähl doch einmal von deiner ersten Begegnung mit dem Instrument Gitarre.

Als 14-jähriger Bub fing ich an, Bass zu spielen (mein Vorbild damals war Paul McCartney). Im Jahr 1967 wurde ich per Band-Beschluss vom Bassisten zum Solo-Gitarristen befördert. Das erste Stück, das ich lernen musste, war „Hey Joe“ von Jimi Hendrix.


  • Was hat dich schließlich überzeugt, deinen Lebensunterhalt mit Musik zu verdienen?

Es ist einfach passiert! Ich hatte überhaupt keinen Plan und war einfach zur rechten Zeit am rechten Ort und habe die richtigen Leute kennen gelernt.


  • Wie kam es, dass du irgendwann deinen Fokus auf Studioarbeit und Musikproduktion gelegt hast?

Auch das ist einfach passiert. Ich spielte damals in Klaus Doldingers Band „Motherhood“ (dies war der Vorläufer seiner heutigen Band „Passport“) und Klaus verpflichtete für all seine Studioproduktionen in den Bereichen Werbung, Pop- und Filmmusik seine jeweilige Bandkollegen. Bald darauf hörten mich auch andere Arrangeure und Produzenten und buchten mich für ihre Studio-Jobs. Seither war ich neben meiner Rockmusiker-Karriere auch stets als Studiomusiker und Produzent tätig.



  • Manche Leute sagen, als Studiomusiker würde man seine Seele verlieren. Was hältst du von dieser Aussage?

Die Risiko besteht, dass man, um es dem Kunden und dem jeweiligen Produkt recht zu machen, seine musikalische Persönlichkeit unterordnet – manchmal sogar verleugnen muss. Wenn man keinen starken Gegenpol, wie z. B. eine Live-Band und eigene Veröffentlichungen hat, läuft man Gefahr, jedwede eigenständige musikalische Identität zu verlieren.


  • Woher nimmst du deine Inspiration fürs Komponieren?

Beim Komponieren von Pop- und Rockmusik kommt die Inspiration entweder aus mir heraus oder eben nicht. Ich drücke damit einfach meine Emotionen und meine subjektive Sicht der Dinge aus. Beim Komponieren von Filmmusik jedoch verhält es sich völlig anders: Hier gibt es klar umrissene Vorgaben seitens des Regisseurs bzw. der Produktionsfirma. Auch das Sujet des jeweiligen Films bestimmt in starkem Maße Form und Gestalt der zu komponierenden Musik. Ein Beispiel: Ich bekam den Auftrag, eine Filmmusik für den Film „Semmelweiß Ignaz“ zu komponieren. Der Film spielt im ausgehenden Biedermeier und damit war die musikalische Gestaltung eindeutig vorgegeben. Fazit: Das Schreiben von Filmmusik ist eindeutig Auftragsarbeit und ein bisschen wie Lachen oder Weinen auf Befehl.


  • Wie war es für dich, mit anderen bekannten Musikern wie Udo Lindenberg oder Freddie Mercury zusammenzuarbeiten?

Es war eine unglaubliche Bereicherung für mich als Mensch und Musiker, mit einigen meiner Idole auf Augenhöhe zu musizieren. Ich halte nach wie vor Freddie Mercury für eines der größten Genies im Bereich der Pop-/Rockmusik! Bei Udo Lindenberg war es eher die Erneuerung einer alten musikalischen Freundschaft, denn mit Udo hatte ich als Mitglied von Doldingers „Motherhood“ bereits ab 1970 zusammen musiziert.


  • Du hast deine persönlichen Erfahrungen und einen großen Teil deines musikalischen Wissens in ein Buch gepackt. Bitte sag an dieser Stelle doch mal, was das besondere an dem „ Rock Guitar-Buch“ ist und was den Leser erwartet?

Dieses Buch ist eine beinahe feuilletonistische und sehr persönliche Abhandlung über die unterschiedlichsten Aspekte der Rock-Gitarre und ihrer Helden. Ich habe versucht, auf unterhaltsame und weniger lehrmeisterhafte Weise, das Augenmerk des Lesers auf ein paar Sternstunden der rockigen Gitarrenmusik zu lenken. Als ich dieses Buch schrieb, gab es noch keinerlei Lehr-DVDs oder Online-Gitarrenstunden, die den Fokus ohnehin eher auf das reine Nachspielen von klassischen Tracks legen. In beinahe jedem Kapitel habe ich – über das technische Bewältigen eines Stücks hinaus – ein paar Hintergrund­informationen die Entstehung und die jeweiligen Interpreten betreffend zusammengetragen.


  • Du produzierst seit 1980 Filmmusik und wurdest dafür sogar schon ausgezeichnet. Was hat dich dazu bewegt in dieser Sparte zu arbeiten?

Ich war als Bandmitglied von Udo Lindenbergs Panikorchester auch Koproduzent und Arrangeur seiner Studioproduktionen. In dieser Funktion lernte ich einen Filmemacher des NDR kennen, der mich bat, nachdem er meine Orchesterarrangements gehört hatte, für einen seiner Filme einen Soundtrack zu schreiben. Ähnlich wie bei meiner Karriere als Studiomusiker führte auch hier eines zum anderen und ich lernte über diesen Filmemacher andere Leute aus der Filmbranche kennen, die mir die Möglichkeit gaben, mich in diesem neuen Feld auszuprobieren.


  • War dafür eine große Umstellung deiner bisherigen musikalischen Arbeitsweise vonnöten?

Ja, es war auf jeden Fall eine Umstellung vonnöten, da die Filmkomposition im Gegensatz zum Komponieren eines Pop- oder Rocksongs eine andere Vorgehensweise erfordert. Beim Film haben die dramaturgische Entwicklung und das Bild absoluten Vorrang; die Musik bedient die jeweils benötigen Stränge, unterstreicht, kontrastiert oder karikiert diese sogar. Auch die Instrumentierung der Filmmusik richtet sich nach völlig anderen Kriterien als diejenige einer Songproduktion. Pop- und Rockmusik sind ohne Schlagzeug oder Percussion fast undenkbar, bei der Filmmusik hingegen sind ebendiese Elemente im üblichen Kontext eher unangebracht.


  • Im Set der Vincent Rocks Band finden sich Stücke aus dem Gerne Rock, Pop und sogar Klassik. Wie kommt das?

Das hängt eindeutig mit meinen persönlichen Vorlieben für ebendiese Genres zusammen. Was Mitte der Achtzigerjahre als Experiment mit „Quartetto“ begann, konnte sich zwischenzeitlich auf der Bühne etablieren und wird vom Publikum begeister angenommen.


  • Kommen wir doch mal zu deinem persönlichen Stil. Wie würdest du dich als Gitarrist charakterisieren?

Hier kann ich nur meine Vorbilder anführen, die da wären: Jimi Hendrix, Eric Clapton, Jeff Beck, Peter Green, Ritchie Blackmore und BB King. Irgendwo dazwischen würde ich mich stilistisch einsortieren.


  • Welches Equipment nutzt du für deine Liveauftritte?

Mein Amp ist ein Vox AC-15 Top, als Lautsprecherbox verwende ich eine Mesa-Boogie Thiele-Box und ein Motion Sound Leslie Cabinet. Meine Hauptgitarre ist zurzeit eine 1960er Gibson Les Paul Re-Issue. Als Effektgeräte greife ich immer wieder gerne auf einen Vox Satchurator Booster und auf ein Ernie Ball Volume-Wah-Pedal zurück.


  • Welche Tipps würdest du als erfolgreicher Produzent und Musiker einem jungen Gitarristen mit auf den Weg geben?

Die Helden der Vergangenweit und der Gegenwart studieren und sich dann irgendwann hiervon lösen, um schließlich ganz bewusst seinen eigenen Stil zu entwickeln. Aber live zu spielen vor Publikum ist das A und O! Jahrzehnte im Übungsraum können das nicht ersetzen.


  • Hast du selbst inzwischen alle deine Ziele erreicht?

Zu keinem Zeitpunkt in meinem Leben habe ich irgendwelche Ziele für mich selbst formuliert. Ich lasse die Dinge einfach auf mich zukommen. Lediglich ein paar Wünsche habe ich, bin aber nicht enttäuscht, sollten diese nicht in Erfüllung gehen.


Vielen Dank das du dir die Zeit genommen hast meine Fragen zu beantworten. Wer jetzt neugierig ist, der kann gerne einmal auf der Hompage seiner Liveband vorbeischauen oder oder auf seiner Vertriebs Seite mehr über diesen Gitarristen erfahren.

In diesem Sinne einen schönen Mittwoch